Zehn Jahre DSGVO: Bitkom-Studie zieht Zwischenbilanz zum Datenschutz in deutschen Unternehmen
Zehn Jahre DSGVO: Am 24. Mai 2016 trat die Verordnung in Kraft, 2018 wurde sie wirksam. Der Digital-Branchenverband Bitkom nimmt das Jubiläum zum Anlass für eine Zwischenbilanz und liefert in seiner aktuellen Studie ein klares Fazit: Datenschutz ist in deutschen Unternehmen fest verankert, wird aber Jahr für Jahr aufwendiger.
Die Ergebnisse der Langzeitbefragung
Mit Kritik hat sich Bitkom noch nie zurückgehalten. Gerade deshalb schätzen Datenschützer die regelmäßigen Studien des Verbandes, geben sie doch Einblick in das Denken und die Sorgen der Anwender. Für die Zwischenbilanz hatte Bitkom Unternehmen der deutschen Wirtschaft mit mindestens 20 Beschäftigten befragt. Ausgewertet wurden Ergebnisse aus den letzten zehn Jahren, die die Entwicklung der Datenschutzpraxis in 603 Firmen aller Branchen abbilden. Was hat sich in dieser Zeit getan? Wo liegen die Probleme? Welche Befürchtungen und Wünsche herrschen vor?
Während Anfang 2018 erst sieben Prozent der Unternehmen angaben, die Vorgaben vollständig oder größtenteils umgesetzt zu haben, waren es 2024 bereits 71 Prozent. In dieser Zeit gaben erst 25 Prozent an, die DSGVO führe zu einer Verkomplizierung von Geschäftsprozessen, 2025 waren es 81 Prozent, die diese Einschätzung teilten. 2025 sagten 72 Prozent der Unternehmen, Deutschland übertreibe es mit dem Datenschutz; 2020 waren es 40 Prozent.
Datenschutz als Bremsklotz bei der KI-Entwicklung?
Unabhängig von der Aussagekraft dieser Beobachtungen bezeichnet Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst den Datenschutz als „zentrale Säule der digitalen Welt". Gleichwohl mahnt er deutlich: „Die Erwartungen an die DSGVO wie einheitlichere Wettbewerbsbedingungen in Europa, mehr Rechtssicherheit und weniger bürokratischer Aufwand nach der Umstellungsphase haben sich allerdings nicht erfüllt. Mit der Neuausrichtung des Datenschutzes auf das KI-Zeitalter steht jetzt die nächste Herausforderung ins Haus."
Während im Grundsatz aktuell 59 Prozent der deutschen Unternehmen den Datenschutz als Vorteil bei der Entwicklung von KI werten, scheint die Praxis anders auszusehen. 2025 sagten 69 Prozent der Unternehmen, Datenschutz erschwere es, KI-Modelle mit genügend Daten zu trainieren. 59 Prozent gaben an, dass der Aufbau entsprechender Datenpools aufgrund von Datenschutzvorgaben nicht möglich ist. 63 Prozent glauben, dass KI-entwickelnde Unternehmen deshalb aus der EU abwandern könnten. Auch hier lagen die Zahlen der negativen Aussagen in den vergangenen Jahren prozentual zum Teil erheblich niedriger. Wintergerst fasst das Dilemma zusammen: „KI wird wegen unserer Datenschutzpraxis nicht in Europa entwickelt, die Modelle werden aber trotzdem hier eingesetzt. Für den Schutz der Daten europäischer Bürgerinnen und Bürger ist damit nichts gewonnen, für den Wirtschaftsstandort Europa aber viel verloren."
Weitere Tendenzen in der letzten Dekade
86 Prozent der Unternehmen empfanden 2025 die Umsetzung des Datenschutzes als Daueraufgabe, die sich nie abschließen ließe. In diesem Zusammenhang bemängeln 82 Prozent ein ebenfalls dauerndes Problem mit der Rechtsunsicherheit. 2017 lag diese Quote noch bei 35 Prozent. So haben 2024 auch 86 Prozent der Unternehmen bei den Datenschutz-Aufsichtsbehörden um Hilfe nachgefragt. Auch hier ging die Zahl mit den Jahren nach oben. Zufrieden mit dieser Hilfe waren allerdings nur 36 Prozent.
Die Bilanz ergab noch zwei weitere interessante Punkte: Viele Befragte stellten fest, kein qualifiziertes Personal für den Datenschutz zu haben. Hier stieg die Kurve von 24 Prozent im Jahr 2022 auf nunmehr 38 Prozent. Zudem hatten im letzten Jahr 61 Prozent der Unternehmen personenbezogene Daten in die USA übermittelt. Die Vereinigten Staaten sind außerhalb des EU-Raums das wichtigste Drittland bei internationalen Datentransfers. 71 Prozent der Unternehmen wünschen sich von der Politik tragfähige Lösungen für internationale Datentransfers; 2021 lag dieser Wert noch bei 32 Prozent.
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