Datenschutzwissen

WhatsApp setzt künftig auf Werbeeinnahmen

WhatsApp gehört zu den weltweit am häufigsten genutzten Messenger-Apps und bot bislang praktikable Features vollkommen gratis und werbefrei. Wobei gratis Interpretationssache ist, schließlich „zahlen“ die User mit persönlichen Daten. Nun wird aber doch Werbung geschaltet, allerdings nur in bestimmten Bereichen der App.

Die Zeiten der Werbefreiheit bei WhatsApp sind vorbei. Der Digitalkonzern Meta hat angekündigt, das nun nach und nach Werbung platziert wird – selbstverständlich handverlesen und passend auf jedes Nutzerprofil. Vorerst werden beispielsweise die von vielen geschätzten Status-Meldungen demnächst mit Werbebannern versehen.

Nach Verlautbarungen des Meta-Konzerns verfolgt die Werbe-Einführung einen Stufenplan über die nächsten Wochen. Allerdings, so lautet das Versprechen der Meta-Macher, sind die Kernbereiche von WhatsApp, also die privaten Chats und Anrufe, auch künftig frei von Werbung. Doch sobald man sich durch die Statusmeldungen oder Kanäle klickt, könnten Usern schon bald Anzeigen begegnen, die auf das eigene Profil und Verhalten zugeschnitten sind. Zur personalisierten Werbung nutzt Meta beispielsweise die Analyse von Spracheinstellungen, Standortdaten und bisherigen Interaktionen mit Anzeigen. Zahlreiche andere Messenger-Anbieter haben längst Werbe-Elemente integriert. Was WhatsApp allerdings von den meisten anderen unterscheidet, ist, dass User nicht selbst entscheiden können, ob sie Werbebotschaften empfangen wollen oder nicht.

Monetarisierungsabsicht nachvollziehbar

Mit einer solchen Marktmacht und über drei Milliarden weltweiter Nutzer war es ohnehin fraglich, warum Mata sich diese herausragende Stellung nicht schon längst durch Werbung bezahlen ließ. Von den Nutzern schauen nach Meta-Angaben etwa die Hälfte täglich in den Bereich „Aktuelles“, das sind also 1,5 Milliarden potenzielle Werbeempfänger. Eine riesige potenzielle Reichweite also, die Meta nicht länger ungenutzt lassen will. Ursprünglich hatte das Meta-Management mit dem Gedanken gespielt, über eine geringe Abo-Gebühr – es war damals von einem Dollar pro Monat die Rede – zu monetarisieren. Nun haben sich die Meta-Macher doch noch für die Finanzierung durch Werbung entschieden – eine Geschäftspraxis, die auf den anderen Meta-Plattformen längst für sprudelnde Einnahmen sorgt.

Nach den bisherigen Verlautbarungen ist damit zu rechnen, dass auch weitere Bereiche neben den Statusmeldungen langfristig mit Werbung belegt werden. Unternehmen oder Organisationen, die Inhalte veröffentlichen, können durch Zahlungen künftig mehr Reichweite generieren. Auch wird es die Möglichkeit geben, direkt über WhatsApp kostenpflichtige Abo-Dienste abzuschließen. Vermutlich werden weitere Geschäftsmodelle als integrale WhatsApp-Bestandteile folgen.

Selbstverständlich haben sich schon zahlreiche Kritiker zur Werbeinitiative bei Meta geäußert, unter anderen Max Schrems. Der WDR zitiert ihn mit den Worten: „Meta macht da das Gegenteil von dem, was die EU eigentlich will. Eigentlich gibt es den Digital Markets Act, der besagt, dass Großkonzerne die Dienste nur mit einer Einwilligung miteinander verknüpfen dürfen.“

Bei Meta gibt man sich eher gelassen und weist darauf hin, dass ja schließlich die rein privaten Bereiche in WhatsApp von der Initiative nicht betroffen seien. Was allerdings ungeklärt ist, ist die Frage nach der generellen Datennutzung durch Meta. Da bleibt der Digitalkonzern nach wie vor in einer Grauzone. Es hält sich weiterhin die Vermutung, dass deutlich mehr Daten gesammelt werden, als den weltweiten Usern bewusst ist.

Fazit

Es war zu erwarten, das Meta über kurz oder lang Geld mit WhatsApp verdienen möchte. Es bleibt aber mit Spannung abzuwarten, wie die User auf die Meta-Werbung reagieren. Und ebenso bleibt abzuwarten, wie lange die WhatsApp-Kernfunktionen, die ja nicht nur von Einzelpersonen, sondern auch von unzähligen Communitys für organisatorische Konzepte genutzt werden, wie beispielsweise in Sportvereinen, werbe- und kostenfrei bleiben. Sollte sich dies langfristig ändern, werden viele User sicher alternative Dienste für sich prüfen.

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