Bitkom-Umfrage: Bevölkerung für resiliente staatliche Systeme
Beinahe ist es schon zum Alltag geworden: Energieunternehmen, Verkehrsträger oder Behörden werden von Cyberkriminellen teilweise oder vollkommen lahmgelegt und Bürgerinnen und Bürger spüren echte Auswirkungen. Als Beispiel aus jüngster Vergangenheit seien die IT-Systeme der Deutschen Bahn genannt, die den kompletten Zugverkehr durcheinanderbrachten. Die Meldungen wirken wie Déjà-vus, nur dass die Auswirkungen jedes Mal drastischer und teurer werden. Digitale Sabotage, Desinformation, politische Einflussnahme – das alles sind keine Science-Fiction-Inhalte mehr, sondern tägliche Realität. Das sorgt inzwischen längst für ein grassierendes Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung.
Dazu haben die Digital-Experten von Bitkom wieder einmal eine Umfrage durchgeführt und hunderte User befragt. Bitkom wollte von den Menschen wissen, wie sie persönlich die Cyber-Bedrohungen einschätzen und was sie sich von staatlicher Seite wünschen. Das Stimmungsbild ist erstaunlich eindeutig. Die Bevölkerung wünscht sich mehr Befugnisse für Sicherheitsbehörden, um solchen Angriffen wirksamer und schneller begegnen zu können. Aber dies natürlich im Einklang mit geltendem Datenschutzrecht.
Laut Bitkom fühlen sich große Teile der Bevölkerung durch die permanente Bedrohung aus den Digitalnetzen spürbar verunsichert. Die Angriffe wirken komplexer, schwerer zuzuordnen und weitreichender in ihrer Wirkung. Während Desinformation in Minuten viral geht, brauchen staatliche Stellen oft Tage, um zu reagieren. Gleichzeitig wächst die Angriffsfläche: vernetzte Infrastrukturen, KI gestützte Tools, IoT Geräte, kritische Systeme, die miteinander vernetzt sind, machen es Angreifer einfacher, große Schäden anzurichten. Ein Angriff auf ein Energieunternehmen kann heute Auswirkungen auf Verkehr, Kommunikation oder Gesundheitsversorgung haben. Mit Konsequenzen, die immer häufiger auch den einzelnen Bürger und seinen Alltag betreffen.
Staatliche Resilienz zum Schutz europäischer Bürger
Die Befragten haben mehrheitlich dafür plädiert, Befugnisse zu erweitern, technische Möglichkeiten zu verbessern und mehr Handlungsfähigkeit zu schaffen, ohne dabei aber fragwürdige Überwachungs-Prozesse in Gang zu bringen. Unter anderem wurden konkret bessere technische Ausstattung, mehr Personal für digitale Ermittlungen, schnellere Eingriffsmöglichkeiten bei Cyberangriffen und klare gesetzliche Rahmenbedingungen für KI gestützte Attacken gefordert. Die Bevölkerung erwartet, dass Sicherheitsbehörden in der Lage sind, moderne Angriffe auch mit modernen Mitteln abzuwehren. Gleichzeitig bleibt der Wunsch nach rechtsstaatlicher Kontrolle bestehen. Die Menschen wollen Sicherheit, aber nicht um den Preis unbegrenzter staatlicher Macht. Das bedeutet für alle Akteure, dass ein ausgewogenes Nebeneinander von wirksamem Schutz und garantierter Freiheit zu installieren ist.
Die Erwartungen der Befragten richten sich nicht nur an Behörden und staatliche Einrichtungen. Auch Unternehmen, die Teil der kritischen Infrastruktur sind, sollen mehr in Resilienz investieren. Die Erwartungshaltung ist eindeutig: Zuverlässige Resilienz ist keine Option mehr, sondern wird als Pflicht verstanden. Die Bevölkerung sieht Unternehmen als Mitverantwortliche für die Stabilität des Landes – und erwartet, dass sie proaktiv handeln, bevor ein Angriff passiert. In der Bitkom Studie offenbart sich mehr als nur eine Momentaufnahme. Sie markiert einen Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung. Hybride Angriffe sind nicht länger ein abstraktes Risiko, sondern längst ein allgegenwärtiges Phänomen im Alltag. Wehrhaftigkeit bedeutet also vor allem technologische Führerschaft oder zumindest einen Gleichstand, um Cyberattacken auf Augenhöhe zu begegnen.
Quelle: Bitkom Research: Cyberkriminalität | Studie 2025. Studienbericht im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, Befragung von 1.115 Personen ab 16 Jahren in Deutschland. Bitkom e. V. / Bitkom Research, 2025. Link zum Website.
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