Datensicherheit im Internet

Beim BigBrotherAward 2025 gibt es keine Überraschungen

Wer es mit dem Datenschutz nicht sonderlich genau nimmt, gerät schnell ins Visier der Aufsichtsbehörden. Wer dagegen als Preisträger bei den BigBrotherAwards feststeht, hat erst einmal lediglich den Spott und eine schlechte Publicity auf seiner Seite.

Die Trophäe wird nun schon seit 25 Jahren und aktuell in 19 Ländern verliehen. In. Deutschland ist die Datenschutz-Initiative Digitalcourage Ausrichterin des Awards, den sich keiner gerne ins Regal stellen möchte. Die Jury bilden Jahr für Jahr Rechtsexperten, ehemalige Behörden-Mitarbeiter sowie IT-Spezialisten. Auch in diesem Jahr wurden die nicht gerade begehrten Preise in Bielefeld vergeben.

Das „Verdienstkreuz“ für Datenkraken

Für Firmen, Institutionen oder auch Bürger, die sich für einen BigBrotherAward qualifiziert haben, tritt folgende Definition der Initiatoren der Preisverleihung in Kraft: Nominierte sind grundsätzlich juristische Personen, die „in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen sowie persönliche Daten verkaufen oder gegen ursprüngliche Interessen verwenden“. Der „Oscar für Datenkraken“, wie ihn die französische Zeitung Le Monde nennt, wird traditionell in drei Kategorien verliehen, so auch in diesem Jahr wieder.

Kategorie Technik: Google nur schwer „vom Thron zu stoßen“

Dass Google auch in diesem Jahr wieder als Preisträger glänzt, verdankt der US-Konzern insbesondere seiner neuesten Errungenschaft namens Gemini. Google Gemini sammelt fröhlich und ohne jede Zustimmung Kommunikations- und Nutzerdaten, etwa Chatverläufe, wenn sie der Verbesserung der KI dienen. Diese Daten landen in der Cloud. Die KI liest immer mit und hat die Datenkontrolle. Der alte Google Assistant arbeitete hingegen nur auf dem Endgerät. Das Delikate: User, die sich des Datenklaus durch Gemini entziehen möchten, müssen mit enormen Hürden rechnen und werden durch eine Menüführung gepiesackt, die kaum zu durchdringen ist, … als hätte man das nicht schon mal gehört?

Kategorie Social Media: Nichts „datenwildert“ krasser als TikTok

Datenschutzverstöße gehören seit Gründung zur fragwürdigen DNA des chinesischen Plattformbetreibers. Insofern ist diese Wahl keine wirkliche Überraschung. TikTok sammelt nahezu nach Belieben eine Vielzahl an Nutzerdaten, die in China zusammenlaufen. Der europäische Datenschutz interessiert dort niemanden. Anfragen führen in der Regel zu nichts. Aber nicht nur der Datenschutz ist ein offensichtliches Problem des Konzerns aus dem Reich der Mitte. TikTok ist auch regelmäßig als Verbreiter von Fake-News und politischer Hetze in der Kritik.

Neue Kategorie Gerichte

In einer neuen Kategorie werden dieses Jahr erstmalig auch Gerichte sowie Behörden mit einem Award versehen, nämlich dann, wenn sie durch ihre Urteile zulassen, dass Mitbestimmungsrechte sowie der Schutz personenbezogener Daten von Mitarbeitern mit Füßen getreten wurden. Hier ein kurzer Blick auf die Preisträger: Die 10. Kammer des Verwaltungsgerichts Hannover hatte einer Klage von Amazon stattgegeben. Im Ergebnis wurde dem Online-Giganten unter bestimmten Bedingungen die Überwachung von Mitarbeitern am Arbeitsplatz per Kamera erlaubt. Auch das Bundesarbeitsgericht stellte sich auf die Seite von Amazon, als es um die Einführung einer umstrittenen neuen Personalsoftware ging. In beiden Fällen hat die Jury die Interessen des US-Konzerns höher eingestuft als die der Beschäftigten. Dies ist eins von zahlreichen Urteilen, bei denen Datenschützer die Augen verdrehen.

Bundesministerium des Inneren auf Daten-Safari

Was die CSU als „Sicherheitspaket“ durchgesetzt hat, halten auch renommierte Datenschützer für einen Schritt in Richtung „staatlicher Überwachungs-Apparat“. Im Mittelpunkt der Kritik stehen Suchmaschinen zur Gesichtserkennung, deren Anbieter ihre Niederlassungen außerhalb der EU haben und zudem einen schlechten Ruf wegen diverser Praktiken fernab des Datenschutzes. In diesen Zusammenhang gehört auch die Nutzung der Gotham-Software von Palantir durch die deutsche Polizei. Wir berichteten in diesem Blog bereits darüber. Eine US-Software kann immer nur die schlechtere Variante im Vergleich zu einer Lösung aus Europa sein, was Datenschutz angeht.

Auch die Bundesregierung bekommt ihr Fett weg

Der allgemeine Ruf nach Bürokratie-Abbau wird vor allem von der Jury der BigBrotherAwards als zweischneidiges Schwert betrachtet. Damit steht auch die Bundesregierung am Pranger der Jury. Der Begriff „Demokratieabbau“ sei vergiftet und hebelte im Sinne von US-Tech-Konzernen unter anderem durch Deregulierung und den Abbau von Gesetzen den Verbraucherschutz aus. Auch zeigt sich eine antikapitalistische Tendenz der Preisvergabe. Statt sich nach US-Regeln zu richten, fordert die Jury beispielsweise bei öffentlichen Aufträgen eine Besinnung auf eigene Märkte und Regeln. Europa sei als Wirtschaftsraum stark genug, diese durchzusetzen. Eine Art „Trostpreis“ wurde außerdem in der Sparte „jung & überwacht“ vergeben. Hier ging der BigBrotherAward an WhatsApp, weil der Messenger-Service zur sozialen Exklusion an Schulen beitrage. Nicht nur Pädagogen bemängeln regelmäßig die große Kommunikationsmacht von WhatsApp, auch in und während der Schule.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein großer Teil der Award-Gewinner auch persönlich zum Verleihungsevent erscheint, um ihre „Trophäe“ entgegenzunehmen. Immerhin hatten die früheren Preisträger Microsoft und die Deutsche Telekom tatsächlich Vertreter nach Bielefeld geschickt. Die PR-Abteilungen griffen die „schlechte Presse“ auf, um öffentlich zu demonstrieren, wie wichtig man in der Konzernspitze den Datenschutz nehme. Bei alldem darf nicht vergessen werden: Keiner der Preisträger hat sich in Bezug auf die mit den Awards erhobenen Datenschutzvorwürfe strafbar gemacht oder musste ein Bußgeld zahlen. So bleibt auch nach über 20 Jahren die Award-Vergabe vielmehr ein Instrument, das sensibel machen soll für den nach wie vor sehr laxen Umgang mit Datenschutz auf den verschiedensten Ebenen.

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